Der Pflegeazubikurs der GSBZ Buchholz stellte sein erworbenes Wissen in der Praxis unter Beweis.

Emma Renken (l.) und Evelyn Singer, Pflege-Azubis im dritten Ausbildungsjahr, haben soeben das Praxisprojekt „Azubis leiten eine Station“ im Krankenhaus Buchholz erfolgreich gemeistert.

Verantwortung übernehmen, Menschen begleiten

Pflegeazubis leiten eigenständig Station H

Knapp zwei Wochen lang haben Emma Renken und Evelyn Singer, Pflege-Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr an der Gesundheitsfachschule und Bildungszentrum Buchholz (GSBZ), Verantwortung für eine eigene Station im Krankenhaus Buchholz übernommen. Gemeinsam mit den Mit-Azubis ihres Jahrgangs übernahmen sie im diesjährigen Praxisprojekt „Azubis leiten eine Station” alle Aufgaben, die sonst examinierte Pflegekräfte leisten – von der Medikamentengabe über die Begleitung der Patienten bis zur Dokumentation. Die zwei Wochen waren für beide eine prägende Erfahrung.


Vor dem Projekt absolvieren die Pflegeazubis bereits regelmäßig Praxiseinsätze. In diesen konnten sie sich auf die examinierten Kolleginnen und Kollegen und deren Erfahrung verlassen.  „Jetzt musste ich selbst an alles denken”, sagt Emma Renken und beschreibt damit, was sich in den Projekttagen auf Station H verändert hat. Denn nun stand Emma erstmals selbst in der Verantwortung für eigene Patienten. Die ersten Tage seien „ein bisschen überfordernd” gewesen, erinnert sich ihre Kurskollegin Evelyn Singer. Doch mit jeder Schicht wuchs die Sicherheit: „Tag für Tag kamst du immer besser rein”, berichtet Emma. Was in der Theorie gelernt und in vorherigen Einsätzen erprobt wurde, konnte nun in der Praxis vollumfänglich angewendet werden – Assessments, Hygienestandards, die elektronische Patientenakte, aber auch das regelmäßige Abwägen: Welcher Patient muss wann zu welcher Untersuchung, mit wem muss ich mich absprechen, was muss ich mitdenken? Im Hintergrund wurden die Azubis von den Praxisanleitern und examinierten Kolleginnen begleitet. „Man konnte immer fragen, sie waren stets ansprechbar”, sagt Emma über die Unterstützung.  „Aber machen und entscheiden mussten wir selbst.“


Die neue Verantwortung zeigte sich für die Auszubildenden nicht nur in Aufgaben, sondern auch in Beziehungen. Während des Projekts begleiteten sie viele der Patienten länger, lernten Angehörige und Biografien kennen, welche Musik jemand gerne hört, wer die Tagesschau nicht verpassen möchte, und welche Fortschritte sie machen. „Es ist dann ein bisschen schade, wenn die Patienten entlassen werden, wenn man sie die ganze Zeit begleitet hat”, sagt Evelyn Singer. Besonders in Erinnerung bleibt ihr eine Patientin, die nach Tagen im Bett erstmals wieder gemeinsam mit der Auszubildenden in den Tagesraum lief – ein wichtiger Moment, über den sich das ganze Team freute.


Für Emma und Evelyn war das Projekt eine sehr hilfreiche Vorbereitung auf das praktische Examen im November. Und zugleich die konkrete Erfahrung, dass Pflege aus zwei Elementen besteht: aus fachlicher Sicherheit und der Zuwendung zum Menschen. Geleitet wird das Praxisprojekt durch Heike Winckelmann und Leonie Knolle, Lehrkräfte an der GSBZ. Sie blicken mit Stolz auf die Pflegeazubis des Projekts: „Zu sehen, wie die Auszubildenden in diesen zwei Wochen über sich hinauswachsen, ist beeindruckend. Das Projekt gibt ihnen nicht nur fachliche Handlungssicherheit kurz vor dem Examen, sondern stärkt vor allem ihr Selbstvertrauen. Sie lernen hier hautnah, was es bedeutet, im Team Verantwortung zu tragen und Eigeninitiative zu ergreifen.”  Nach ihrem Ausbildungsabschluss im kommenden Januar möchte Evelyn Singer in der Zentralen Notaufnahme in Winsen starten. Emma Renken orientiert sich derzeit noch und ist fachlich offen. Beide freuen sich aber schon sehr auf ihre künftigen Einsatzgebiete - dann als examinierte Pflegefachkräfte.